Samstag, 20. September 2014

Hochzeitsparty in den USA

Unser Flug von Ulan Bator nach Cleveland (via Tokyo und Newark) verging trotz seiner Laenge von fast 30 Stunden erstaunlich schnell. Trotzdem waren wir am Ende froh, in Cleveland angekommen zu sein und legten uns nach einem kurzen Imbiss ins Bett.

Am naechsten Tag ging es am Morgen weiter ins Sawmill Creek Resort, eine am Huron Lake gelegene Hotelanlage und Schauplatz der mit Spannung erwarteten Hochzeit von Debbie und Kris. Kurz nach Ankunft trafen wir das Brautpaar und dessen Familie, die meisten hatten wir lange nicht mehr bzw. noch gar nie zuvor getroffen. Auch die Trauzeugen waren alle vor Ort und bald ging es los, um die massgefertigten Anzuege zu probieren. Trotz Umrechnung von cm in inch und der fuer Schweizer Verhaeltnisse ungewohnten Masse passte mein Anzug gut - ganz im Unterschied zu einigen anderen Kollegen, deren Anzuege teilweise viel zu gross oder zu klein geraten waren... Gluecklicherweise liess sich dies bis zur Trauung am naechsten Tag noch beheben.

Es folgte am Abend das sog. Rehearsal, waehrend dem die ganze Zeremonie in den Grundzuegen geuebt wurde. Nach der Einweisung durch die Wedding Coordinator Dame und einigen Uebungsversuchen ging es schliesslich weiter zum Rehearsal Dinner mit anschliessendem Barbesuch; eine gute Gelegenheit, die anderen Parteien der Bridal Party kennen zu lernen. Zu spaeter Stunde stiessen auch Romana und Marci, Kollegen bzw. ehemaliger WG-Mitbewohner aus der Schweiz, zu uns.

Der naechste Morgen nahte rasch, die Anzuege passten schliesslich ueberall und der Braeutigam wurde doch noch von der Nervositaet eingeholt ;-). Gluecklicherweise spielte das Wetter mit und die Zeremonie am Seeufer konnte losgehen. Officiant James (ein Kollege von Kris, der sich mittels Onlineanmeldung und zum Tarif von 35 USD als "Standesbeamter" des Staats Ohio hat "ausbilden" lassen) fuehrte gekonnt durch die Vermaehlung und wenig spaeter war unter Applaus der Anwesenden das Ja-Wort Tatsache. Herzliche Gratulation!

Braeutigam mit Trauzeugen

Debbie und Kris mit James
Gaeste aus der Mongolei ;-) (wir wurden ab und zu so vorgestellt...)

Nach einem ausfuehrlichen Fotoshooting stand schliesslich die Hochzeitsparty an. Aehnlich wie bei einem Boxkampf wurden bei Musik und allgemeinem Gejohle die Familien des Brautpaars, die verschiedenen Trauzeugen und natuerlich das Brautpaar von einem Speaker aufgerufen und beim Hereinlaufen vorgestellt, es folgten verschiedene Reden und dazwischen wurde das Essen serviert (an nach Filmklassikern benannten Tischen, welche mit Liebe zum Detail vorbereitet waren; wir sassen "natuerlich" am Lord of the Rings Tisch ;-)). Im Unterschied zu Hochzeiten in der Schweiz war das Ganze etwas weniger formell, sondern es stand die Party und auch ein bisschen die Show im Vordergrund. Fuer Unterhaltung sorgte neben der Tanzflaeche der sog. Fotobooth, an dem eine Vielzahl lustiger Erinnerungsbilder entstand.


Der Lord of the Rings-Tisch...
Fotobooth...

Die Hochzeitsparty zog sich bis in die Morgenstunden hinein und die Nachtruhe war entsprechend kurz. So stand bereits wieder der Abschied von den Hochzeitsgaesten an und wir verabschiedeten uns von Debbie und Kris, welche kurz darauf in den wohlverdienten Honeymoon nach Hawaii abreisten.

Nach einem gemuetlichen Nachmittag mit Stadtbesichtigung in Cleveland zusammen mit Romana und Marci fanden wir uns am naechsten Tag bereits wieder am Flughafen ein - es ging weiter nach Kanada, unserer naechsten Reiseetappe.

Montag, 1. September 2014

Unterwegs in der Mongolei

Nach der Reparatur von unserem Land Rover Urs (siehe letzten Blogeintrag) haben wir Ulan Bator am spaeteren Nachmittag in Richtung Osten mit dem Ziel Terelj Nationalpark verlassen. Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit schlugen wir nach nicht allzu langer Fahrt bereits unser Nachtlager in der Steppenwiese in der Naehe des landesweit bekannten Dschingis Khan Denkmals auf.



Am naechsten Morgen haben wir das Dschingis Khan Monument besichtig. Es handelt sich hierbei um eine 40 Meter hohe Statue aus Silber, welche zum Gedenken an Dschingis Khan, welcher bis heute von den Mongolen verehrt wird, errichtet wurde. Dschingis Khan wurde 1162 geboren und hat 1206 das mongolische Reich gegruendet. Mit einer Armee von nur 100'000 Soldaten hat er ein Reich erschaffen, welches sich von Korea bis Ungarn und Indien bis Russland erstreckte. Was man weniger weiss: die Mongolei war weltweit das erste Reich, in welchem Religionsfreiheit und diplomatische Immunitaet geherrscht hat. Dschingis Kahn bildete erstmals ein Reich mit einheitlichen Steuern auf Waren und schuf damit die erste internationale Freihandelszone.




Nach der Besichtigung des Denkmals fuhren wir weiter in Richtung Terelj Nationalpark und passierten bald darauf den Parkeingang. Die Fahrt ins Tal war wunderschoen, bei strahlendem Sonnenschein kamen die fuer mongolische Verhaeltnisse sehr gruenen Wiesen (das Terelj Gebiet gilt als feucht und regenreich) und die Berge mit speziellen Felsformationen schoen zur Geltung. Am Ende des Tals befindet sich ein kleines Dorf mit einigen Hotels, welches vor allem bei den Stadtbewohnern von Ulan Bator beliebt ist als Naherholungsgebiet. Wir parkierten Urs am Rande des Dorfs mitten auf der gruenen Weide neben einem lichten Nadelbaumwald. Beim gemuetlichen Feierabendbier waren wir schnell umringt von Kuhherden, die auf ihrem Weg zurueck ins Tal waren.





Sobald die Sonne hinter den Bergen verschwunden war, haben wir gemerkt, dass wir uns auf ca. 1'600 Meter ueber Meer befanden, denn es wurde empfindich kalt, so dass wir dankbar waren fuer die Decken aus Urs' Inventar.



Da es uns auf unserem Campingplatz so gut gefallen hat, beschlossen wir am naechsten Morgen noch eine Nacht laenger zu bleiben und einen gemuetlichen Tag mit Sonnenbaden und Lesen zu verbringen. Kurz nach dem Mittag aber schlug das schoene Wetter urploetzlich um, es zogen dunkle Wolken auf und innert kurzer Zeit begann es heftig zu regnen, so dass wir in unserem Zelt Zuflucht suchen mussten. Als dann auch noch boeenartiger Wind aufkam und das Zelt kraeftig durchgeschuettelt wurde, verlief der Nachmittag etwas weniger gemuetlich, als wir uns dies vorgestellt hatten... Das Gewitter zog vorbei, es folgte ein weiterer frischer Abend und wir gingen frueh zu Bett, damit wir am naechsten Tag fit waren fuer die geplante Aktivitaet. Wir wollten uns in einer typisch mongolsichen Taetigkeit versuchen, dem Horse Riding. Schnell war ein Anbieter gefunden, ohne grosse Instruktionen von unserem Guide sassen wir einige Minuten spaeter auf dem Pferd und trotteten durch die Steppe. Zum Glueck waren die Pferde brav und folgten uns gut (so hatten wir zumindest das Gefuehl...). Nach zwei Stunden Ritt durch den Nationalpark kamen wir gerade vor dem naechsten Gewitter zurueck mit schmerzenden Knien und Hinterteil.



Nach unserem Ritt fuhren wir zurueck zum Eingang des Nationalparks, wo es schoene Zeltplaetze an einem kleinen Fluss gab und wo auch viele Mongolen das Wochenende verbrachten. Kaum waren wir angekommen und hatten knapp unser Zelt aufgestellt, standen schon Leute mit Fleischspiess und Schnaps bei unserem Land Rover: wie koennte es anders sein, es waren Russen auf Urlaub in Ulan Bator, die einen Tag am Fluss mit Picknicken verbrachten. So wurden wir sofort zum Essen eingeladen und aus einem Schnaps wurden mehrere. So verbrachten wir einige Stunden mit dem aelteren Ehepaar und dessen Sohn Sascha und seiner Frau Ljuba (beide ca. 40 Jahre alt). Je weiter der Nachmittag fortschritt, desto betrunkener und redseliger wurde Sascha. Er versuchte uns auf russisch seine Freude darueber kund zu tun, dass wir sein Heimatland bereist haben, es uns dort gefallen hat und er verstrickte sich dabei in weiteren politischen Ausfuehrungen zu Putin, Obama und Merkel... Ploetzlich pumpte das Familienoberhaupt ein Schlauchboot auf und keiner der Familie liess es sich nehmen, damit eine Runde auf dem Fluss zu drehen. Sascha, der bereits nicht mehr vollstaendig Herr ueber seine kognitiven Faehigkeiten war, erfreute sich bereits beim einbooten ueber ein unfreiwilliges Bad im Fluss, was zur allgemeinen Erheiterung beitrug. Nach diesem kurzen Intermezzo versuchten wir uns zu verabschieden, wurden aber mit einem freundlichen "bitte sitzen sie" zum Bleiben ueberredet. So wurde es dunkel bis sich die Familie auf den Rueckweg nach Ulan Bator machte. Wir wurden zum Abschied mit einer Kette mit einem Schutzengel-Anhaenger beschenkt (wir haben uns mit einem Schweizer Sackmesser revanchiert), wurden von Sascha mehrmals gekuesst und haben uns danach muede ins Bett gelegt. Die Nachtruhe wurde zwar etwas gestoert von mongolischen Jugendlichen im Alkoholrausch, welche sich die halbe Nacht vor unserem Zelt gestritten haben und sogar handgreiflich wurden! 

Der naechste Morgen kam trotzdem und wir brachen auf zum Kloster Mandschur Khiid, welches sehr schoen in einem Bergtal im Gruenen gelegen ist.



In der Naehe des Klosters haben wir unsere letzte Nacht in der freien Natur verbracht und auch die Outdoor-Dusche ist noch einmal zum Einsatz gekommen.

Danke an Oli und Mirco fuer das Sponsoring der Accessoires in trendigem EY-gelb ;-)

Am naechsten Morgen haben wir Urs ausgiebig im Innern geputzt (der Staub der Offroad Pisten ist in jede Ritze gedrungen), das Dachzelt gefegt und saemtliche Fluessigkeiten geprueft. Danach ging es zurueck nach Ulan Bator. Dort hatten wir noch knapp drei Tage Zeit, um Urs zu waschen und vorzubereiten fuer das nachfolgende Team, einige Sehenswuerdigkeiten der Stadt zu besichtigen (buddhistisches Kloster und erneut eine Dschinggis Khan Statue) und haben die Annehmlichkeiten der Zivilisation wie z.B. ein feines Nachtessen im Restaurant sehr genossen. 








Schlussendlich haben wir den Schluessel fuer Urs der netten Rezeptionistin im Blue Sky Hotel anvertraut und haben uns morgens um 5 Uhr bei stroemendem Regen in Richtung Flughafen aufgemacht, um via Tokyo nach Cleveland, Ohio, USA zu reisen, wo wir die Hochzeit von Debbie und Kris besucht haben.


Montag, 25. August 2014

Einreise in die Mongolei - Land Rover Urs mit Panne

Von Ulan Ude brachen wir auf in Richtung russisch-mongolische Grenze. Die gruenen Waelder wichen bald einer kargeren, trockneren Landschaft, in der sich Baeume und Wiesen ueber die verschiedenen Huegel hinweg abwechselten. Nach rund 3 Stunden Fahrt fuellten wir nochmals Tank und Kanister und fuhren schliesslich zum Grenzuebergang.

Wir fanden erstmals verschlossene Tore vor und reihten uns in die Warteschlange ein. Fuer etwas Unterhaltung sorgte lediglich ein Geldwechsler, der nicht muede wurde, uns seine sog. "Dschingis Khan Dollar" feilzubieten (gemeint war die mongolische Waehrung "Toegroeg"). Nach einiger Zeit wurde der Schlagbaum doch angehoben und wir fuhren zu einer ersten Passkontrolle, welche uns schliesslich zum naechsten Posten weiterschickte. In einem kleinen Haeuschen begutachtete eine Frau mit strengem Blick unsere Papiere, brachte erste Stempel an und wies uns schliesslich weiter zur naechsten Stelle, welche offensichtlich fuer die Gepaeckkontrolle zustaendig war. Der prallvolle Kofferraum von Urs sowie das Dachzelt waren offensichtlich zuviel fuer die Beamten, sodass ich (Tobi) mit einem freundlichen Grenzsoldaten quer ueber das Areal zum roentgen geschickt wurde. Waehrend Urs also geroentgt wurde, stand ich abseits mit dem russischen Beamten, der sich sehr fuer unsere Reise interessierte und sich immer wieder fuer seine limitierten Englischkenntnisse entschuldigte. Das Roentgen fuehrte offenbar nicht zu negativen Feststellungen, wir erhielten im Ausreiseprozess noch den einen oder anderen Stempel und reisten nach Verabschiedung durch weitere freundliche Beamte schliesslich aus Russland aus. Die sehr zuvorkommende und freundliche Art der Menschen in Russland bestaetigte sich an der Grenze ein weiteres Mal und wird uns in bester
Erinnerung bleiben.



An der mongolischen Grenze mussten wir zuerst durch ein Desinfektionsbad fahren. Danach stand eine Mischung aus Posten- und Orientierungslauf auf dem Programm, bei dem es darum ging, von der  zustaendigen Stelle einen Stempel auf dem jeweils richtigen Formular zu erhalten, bevor der naechste Schritt im Einreiseprozess durchgefuehrt werden konnte. Nach gefuehlten 2533 ausgefuellten Formularen und noch mehr Stempeln reisten wir schliesslich in die Mongolei ein und waren nach dem Abschluss einer Haftpflichtversicherung bald auf der Strasse in Richtung Sueden unterwegs. In einer schoenen Flusslandschaft bauten wir unser Camp auf und genossen den sonnigen Abend.




Am naechsten Tag ging es weiter Richtung Westen. Ausgestattet mit Proviant und vollem Tank verliessen wir bei einem Ort namens Bulgan die geteerte Strasse und liessen die Zivilisation hinter uns. Nach nicht allzu langer Fahrt allerdings bewegte sich die Temperaturanzeige von Urs immer mehr in den roten Bereich. Wir verloren Kuehlwasser, konnten das Problem aber nicht erkennen und entschlossen uns daher, Urs eine Pause zu goennen und erstmal unser Lager aufzuschlagen.

Auch am naechsten Morgen konnte das Problem nicht erkannt werden, wir fuellten also etwas Kuehlwasser nach und fuhren los. Allzu weit kamen wir jedoch nicht und wir waren mit dem gleichen Problem wie am Vortag konfrontiert. Wir liessen Urs am Strassenrand auskuehlen und diskutierten moegliche Szenarien (es gab kaum Verkehr und keine Ortschaft in der Nähe, von der Hauptstadt trennten uns rund 300 Kilometer, davon rund 200 Kilometer Piste), bis ploetzlich ein Wohnmobil mit franzoesischem Kennzeichen auftauchte und der Fahrer, Jose, sich als Lastwagenmechaniker vorstellte. Glueck im Unglueck also und wir begannen, alle moeglichen Fehlerquellen zu eruieren. Erst nach komplettem Auffuellen des Wasserkreislaufes und Starten des Motors erkannten wir schliesslich, dass aus einem Schlauch ein feiner Strahl spritzte - ein Leck also. Mangels Ersatzschlauch entschieden wir auf Anraten des Mechanikers, das Loch behelfsmaessig mit Schraube, Unterlagsscheiben und Dichtungsmittel zu verschliessen.




Die Methode schien zu funktionieren, wir fuhren gemeinsam mit den Franzosen weiter und verloren nicht weiter an Wasser. Nach rund 100km durch schoene, einsame Landschaften entschieden wir uns schliesslich, bis am naechsten Morgen Pause zu machen und genossen die untergehende Sonne bei einem kuehlen Bier  - Refresherkurs in Franzoesisch inbegriffen ;-). Dass an diesem Tag mein Geburtstag war, wurde mit Kerzchen und Schokolade ebenfalls noch gefeiert - ein Geburtstag, der in Erinnerung bleiben wird...







Beim Fahrzeugcheck am naechsten Morgen mussten wir leider feststellen, dass der geflickte Schlauch erneut tropfte und an ein Weiterfahren nicht zu denken war. Also wuehlten wir erneut in der Ersatzteilkiste und fanden schliesslich ein geeignetes Metallrohr, welche in den Schlauch geschoben und befestigt werden konnten. Damit schlossen wir das Leck und waren nach einer weiteren Reparatur wieder startklar.




Bei der Fahrt traten keine weiteren Probleme auf und wir verabschiedeten uns von der franzoesischen Familie. Unser Weg fuehrte uns zuerst ueber rund 110 Kilometer Piste erneut durch kaum besiedelte, weitlaeufige und meist gruene Landschaften, ausser Tierherden war kaum ein Lebewesen anzutreffen. Wir erreichten schliesslich die Hauptstrasse nach Ulan Bator und fuhren weitere 90 Kilometer auf Asphalt, um in der Stadt unser Auto reparieren zu lassen. Zuerst aber galt es, durch den unendlichen und hektischen Verkehr ins Hotel zu finden. Da freuten wir uns schliesslich ueber eine Dusche und anschliessend ein feines Abendessen.







Am naechsten Tag suchten wir die Land Rover Garage in Ulan Bator auf, in der Hoffnung, den defekten Schlauch ersetzen zu lassen. Nach einigem Suchen beschied man uns allerdings, dass das gewuenschte Teil nicht an Lager war. Uns blieb also, auch auf Anraten des Garagenmanagers, nichts anderes uebrig als der Gang auf den Schwarzmarkt. Wir fuhren also zu einem aus Containern bestehenden Markt und suchten dort einen Anbieter mit einer grossen Auswahl an Schlaeuchen auf. Per Telefon konnte der Manager der Land Rover Garage auf mongolisch erklaeren, was wir genau brauchten. Bald war das gewuenschte Teil gefunden und wurde sogar auf der Stelle vom Ladenbesitzer und dessen Kollegen emsig montiert. So war Urs wieder startklar und wir verliessen Ulan Bator, um nochmals einige Tage die Natur der Mongolei zu erkunden und zu geniessen.




Mittwoch, 13. August 2014

Am Baikalsee

In Irkutsk haben wir die Planung unserer nächsten Tage, welche wir am berühmten Baikalsee zu verbringen gedachten, in Angriff genommen. Schnell haben wir dabei festgestellt, dass die Distanzen rund um den See enorm sind, das ganze Gebiet strassentechnisch schlecht erschlossen ist und wir somit Prioritäten setzen muessen bei der Auswahl unserer Zieldestinationen. Unsere Entscheidung fiel schnell auf die Insel Olkhon, die einzige Insel im Baikalsee, welche auch bei russischen Touristen ein beliebtes Ferienziel ist. 
Die vierstündige Fahrt durch den Nationalpark bis zur Fähre, welche auf die Insel Olkhon uebersetzt, führte durch wunderschöne Wälder und Wiesen, welche etwas an die Natur Nordamerikas erinnerte. Angekommen bei der Fähre reihten wir uns in die unserer Meinung nach nicht allzu lange Warteschlange für die zwanzigminütige Überfahrt zur Insel ein. 



Die Zeit schritt voran, aber die wartenden Autos vor uns wurden einfach nicht weniger. Einerseits hatte die Fähre nur eine Kapazität von ca. 15 Fahrzeugen pro Überfahrt und andererseits hatten kleine Tourbusse sowie Einheimische der Insel Vorrang, sodass wir auch nach langer Wartezeit nicht viel weiter gekommen sind. 
Nach 4.5 Stunden war es dann soweit und wir standen in der ersten Reihe bereit zur Auffahrt auf die Fähre. Ausgerechnet in diesem Moment hat uns Land Rover "Urs" aber gezeigt, dass er keine Freude hatte an der langen Warterei und hat das Starten des Motors verweigert! Sofort kamen die hinter uns stehenden, langsam etwas ungeduldigen Russen, schoben Urs beiseite, da wir die Auffahrt blockierten und den ohnehin schon langsamen Faehrbetrieb aufhielten. Durch Ueberbruecken von unserer Reservebatterie haben wir es dann geschafft, das Auto doch noch zu starten und konnten erfolgreich auf die Faehre auffahren.
Am anderen Ufer angelangt verweigerte der Anlasser aber dann definitiv seinen Dienst, so dass uns ein netter russischer Mitpassagier rückwärts mit dem Abschleppseil von der Fähre ziehen musste! Dank der Hilfe von einheimischen Inselbewohnern, brachten wir Urs durch erneutes Ueberbruecken wieder zum Laufen und unserer Weiterfahrt über die Schotterpiste zum Hauptoertchen der Insel stand nichts mehr im Wege. Wir fanden einen schönen Platz direkt am Sandstrand, um unser Dachzelt aufzuschlagen und konnten uns bei einem kuehlen Bier von den Strapazen der Reise auf die Insel erholen.




Am nächsten Tag haben wir ausführlich die schöne Umgebung erkundet, den berühmten Schamanenfelsen der Insel besichtigt (der Fels gilt bei den Russen als Kraftort) und haben sogar ein  Bad genommen im Baikalsee, was aufgrund des kalten Wassers vor allem Sabine etwas Überwindung gekostet hat :-)




Auf unserem Camping-Platz haben wir auch die ersten Schweizer unserer Reise getroffen: Manuela und Philipp aus Zürich, welche seit 14 Monaten mit ihren Velos auf Weltreise sind!! Dies gab natürlich interessanten Gesprächsstoff und wir haben zahlreiche wertvolle Reisetipps erhalten. 
Beim gemütlichen Zusammensitzen nach dem Abendessen mit Manuela und Philipp tauchten plötzlich drei etwas finster aussehende Männer in traditioneller russischer Freizeitkleidung, dem Tarnanzug, auf. Die drei stellten sich als Land Rover Fans heraus und haben unseren "Urs" inklusive einer Begehung des Dachzeltes ausgiebig inspiziert! Immer mehr ihrer Kollegen stiessen bei der Besichtigung dazu und es fiel mehrmals der Kommentar "Land Rover super"! Die Begeisterung war so gross, dass wir kurz darauf zu Fischsuppe und selbstgebranntem russischen Schnaps eingeladen wurden. Der Anfuehrer der Gruppe, er hiess Alex, ist der Besitzer einer Wurstwaren-Fabrik im Ural-Gebiet und war mit seinen Kollegen, die auch alle bei ihm in der Fabrik arbeiten, auf Firmenausflug am Baikalsee. Obwohl wir bereits gegessen hatten, langten wir kräftig zu, degustierten Alex' Wurst und versuchten, uns mit einem Gemisch aus Russisch, Deutsch, Englisch und Zeichensprache zu verständigen. Wir waren beeindruckt von der sehr aufmerksamen, zuvorkommenden und aeusserst gastfreundlichn Art dieser Leute, welche wir erst vor einigen Minuten kennen gelernt hatten!
Auch Schnapps wurde selbstverstaendlich in grosszuegigen Mengen dargeboten - immer nach der Devise "mehr ist besser" und niemals bei einer geraden Anzahl an Glaesern zu trinken aufhoeren. 



Nach unzaehligen Malen Anstossen, lustigen Gespraechen, dem Anschauen von Land Rover Videos auf dem Handy (einige Mitglieder der Gruppe waren selber im Besitz eines Land Rovers) und ausgeruestet mit einem grossen Sack voller Geschenke (Wurst, Speck, Fruechte und selbstgemachtes Brot) kehrten wir zu spaeter Stunde zu "Urs" zurueck.

Mit diesem Erlebnis verabschieden wir uns am naechsten Morgen von der Insel Olkhon und fuhren weiter den Ufern des Baikalsees entlang in Richtung Ulan-Ude. Aufgund des sintflutartigen Dauerregens entschieden wir uns fuer einmal gegen die Uebernachtung im Zelt und fuer ein Hotelbett. 

Im naechsten Blogeintrag werden wir vom Grenzuebertritt sowie von unseren ersten Tagen in der Mongolei berichten.